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Bella Venezia
Reisen macht Spaß. Reisen bildet. Reisen verbindet Menschen durch Jahrzehnte mit Menschen und Orten. Reisen kosten Geld. Reisen bescheren unvergessliche Erinnerungen. Reisen bescheren Erlebnisse, die sich nicht einmal der allzeit regierende Schalk des Lebens ausdenken könnte. Reisen verschaffen dem allzu leicht verwendeten Ausspruch „das nackte Leben retten“ eine ganz neue und dringliche Bedeutung. So auch hier. Der nachfolgende Reisebericht hat sich laut einer absolut zuverlässigen Quelle tatsächlich genau so und nicht anders abgespielt. Wer auch zukünftig unbeschwerte Reisefreuden erleben möchte, sollte auf den Genuss dieser Lektüre lieber weise verzichten.
Einer der größten Irrtümer in der Geschichte der Menschheit ist sicher die Ansicht, dass alle Wege sämtlicher Touristen in die „ewige Stadt“, nämlich nach Rom führen müssten. Obwohl es sicher einleuchtend und nachvollziehbar ist, das man im Paradies der baulichen Ruinen und Restbestände von Kultur zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen muss, wenn man Besucher anlocken möchte. Aber mal ernsthaft: kennen Sie etwa ein verliebtes Pärchen, das nach Rom zu reisen wünscht? Ich auch nicht. Die meisten Städte in vielen Ländern wetteifern um die Gunst von Touristen. Möchten oft mit verzweifelten Maßnahmen in die Gunst der reisewilligen Bevölkerungsgruppen aufgenommen werden. Alle Liebestouristen haben nur ein Ziel. Und können meist nicht schnell genug dorthin gelangen. Blaues Meer und die goldene Sonne – der schmelzende Tenor eines echten Gondoliere, wenn er „O sole mio“ schmettert, während die Gondel mit zwei nicht harmonierenden Streithähnen über das schmuddelige Wasser der Kanäle gleitet. Das Geschaukel des Kahns, wenn der männliche Teil des Pärchens ebenso unfreiwillig wie erfolglos nach den ins Wasser gefallenen Kontaktlinsen seiner besseren Hälfte angeln muss. Und schließlich bei der Ausübung dieser heroischen Ehepflicht ganz und gar zum Opfer der Naturgewalten wird, wenn ihm nach dem lauten peinlichen Platsch in die Brühe und dem ersten erschrockenen Luftschnappen nach dem Auftauchen wieder einfällt, das er sich damals als Kind standhaft geweigert hatte, schwimmen zu lernen. Liebe Leser, sicher lieben auch Sie Venedig. Diese wunderschöne Stadt, die nur aus Sole, Amore und noch mal Amore besteht. Und als Unterlage und Überzug Romantik pur anbietet. Zwischen Hunderten von winzigen Läden und Kiosken für Andenken nichts als Sonne, Romantik und Amore. Zumeist auf geschmackvolle T-Shirts gedruckt (das T steht hierbei entgegen der ländläufigen Meinung und durch die Motive bestätigt für Tourist), auf Nippes wie Aschenbecher, Trinkgefäße, Teller und ähnliche lebensnotwendige Utensilien gebrannt, eingraviert oder sonst irgendwie darauf verewigt. Selbst die allerorten angebotenen bunten Kuchen bekennen in den Farben der Liebe das vorherrschende Klima der Romantik. Das ewige Ziel aller frisch Verliebten , das die Italiener außer der chinesischen Nudel, der überlangen Oper und einigen anderen unbedeutenden Erfindungen wie etwa dem Handel, dem Risotto, den Stadtstaaten, dem Vatikan und weiteren Kleinigkeiten auch als er Venedig sehen und sterben. Obwohl einige Unverbesserliche Touristen (namentlich aus deutschen Landen) natürlich nur den ersten Teil der italienischen Gebrauchsanweisung befolgen und einfach weiterleben. Ein Traum wurde wahr. Verträumte Gässchen, Amore, Gondolieri, der Canale Grande – mit dem geliebten und noch recht unverbrauchten frisch angetrauten Mann auf der Piazza di San Marco flanieren. Froh sein, das man die Bleikammern nicht in der falschen Zeit und hautnahe kennen lernen musste, sondern nach kurzem heftigen Schweiße wieder entfliehen durfte. Mit dem Wagen nach Venedig zu reisen erfüllt auch den gesteigerten Anspruch des männlichen Geschlechts auf Abenteuer. Eine Liebesreise per Voiture nach Venezia ist sozusagen pures Abenteuer inklusive. Gepaart mit nackter Verzweiflung.
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